Einige französische Horrorfilme, wie auch “Martyrs”, bestechen durch ein deftiges Maß an Brutaliät, weil Gewaltszenen, meiner Meinug nach, mit einer gewissen Nüchternheit und Realitätsnähe verübt werden. Martyrs wird häufig mit “High Tension” oder auch “Inside” verglichen, wobei denen eine Art subtile Boshaftigkeit fehlen. Allesamt sind sie jedoch aus französischer Hand und nichts für zartbesaitete Menschen.
Die Geschichte selbst finde ich nicht gerade umwerfend (von 1 bis 10 Punkten, ist die Geschichte eine 6- 7) , man hätte mehr Hintergrundinformationen liefern können, damit der Hunger nach dem “Warum und Wieso” gestillt wird. Das Ende in Martyrs lässt jedoch genug Platz für Spekulationen. Ich brauche nicht immer ein glattes Ende, aber Futter zum Lösen für die eben genannten Fragen. Bleibt natürlich die Option offen, in wie weit der Film diesen Hunger überhaupt stillen WILL.
Die Story selbst ist simpel erzählt. Es geht im Großen und Ganzen um 2 Personen. Anna und Lucie.
Lucie wird als Kind halbnackt in der Nähe von einem Industriegebiet aufgefunden und in ein Heim gegeben. Sie ist stark verstört und weist schlimme Verletzungen am ganzen Körper auf. Im Heim freundet sie sich mit einem Mädchen namens Anna an. Sie scheint die einzige wirkliche Bezugsperson zu sein. Nicht mal der Polizei verrät Anna etwas über Lucie. Als die einmal nicht auffindbar ist, entdeckt Anna sie in einer Badewanne. Übersät mit blutigen Schnitten. Lucie betont, dass sie so etwas nicht machen würde, aber woher stammen dann die grausamen Verletzungen die Lucie erlitten hat?
Es folgt ein Zeitsprung von 15 Jahren.
Gezeigt wird eine glückliche, kleine Familie die gerade am Frühstückstisch sitzt und es die alltäglichen Zwistigkeiten gibt. – Es klingelt. Der Vater steht auf und öffnet die Tür. Man hört einen markerschütternden Laut und der Vater ist tot. Lucie, nun erwachsen, stürmt mit einer Schrotflinte in das Haus der Familie. Sie tötet Mutter und beide Kinder und meldet sich dann bei Anna, die sie die ganzen Jahren begleitet hat.
Anna ist schockiert, als sie die Leichen und die blutverschmierten Zimmer vorfindet. Dennoch unterstützt sie Lucie beim Wegräumen der Leichen und beim Verarzten der Wunden, da Lucie immer wieder von einer verstümmelten und nackten Frau angegriffen wird. Der Grund für Lucies handeln wird klar: Mit dem Töten der Familie hofft sie die Frau, die ein Produkt ihrer Fantasie ist, loszuwerden. Sie war einst eine Mitgefangene und Lucie konnte sie in der Hektik der Flucht nicht retten. Die getötete Mutter war einst eine ihrer Peiniger.
Aber die unheimliche Frau treibt Lucie an ihre Grenzen, als Anna dann auch noch der Mutter helfen will, die durch ein Wunder überlebt hat, eskaliert die Situation. Lucie wirft Anna vor, dass auch sie denke, dass sie verrückt sei und tötet die Mutter im Wahn aufs Brutalste. Danach stürmt sie durchs Fenster und setzt ihrem Leben ein Ende. Anna ist tief erschüttert, eine Zeit vergeht, sie hat Lucie auf die Couch gehieft, kümmert sie sich ein letztes Mal um ihre Wunden und ruft in ihrer Verzweiflung sogar ihre Mutter an. Das Telefonat läuft nur halbherzig, ihre Aufmerksamkeit wird auf einen kleinen Schrank gelenkt, auf dem der Hammer liegt, mit dem Lucie ihre Peinigerin umgebracht hat. Sie rüttelt etwas an der Schranktür und findet so einen unterirdischen Gang, komplett steril und mit merkwürdigen Bildern bestückt. Alle zeigen Menschen in ihren letzten Lebensstadien. Sie folgt dem mysteriösen Gang weiter, der an einer Luke endet. Mithilfe einer Leiter kommt sie in einen völlig verdunkelten Raum, in dem eine Frau “gehalten” wird. Festgekettet trägt sie eine Art Helm, der ihr jegliche Sicht nimmt. Eine Matratze und einen Eimer zum Verrichten der Notdurft sind die einzigen Gegenstände die zu erkennen sind.
Anna nimmt sie mit nach oben. Und auch wie einst für Lucie, versucht sie die schrecklichen Wunden zu verbinden. Sie entfernt den Helm, der boshafter Weise mit ihrem Kopf verbunden ist. Nach einer schmerzhaften Prozedur lässt Anna die Frau allein, nur um nach kurzer Zeit wiederzukommen und miterleben zu müssen, wie die Frau sich selbst verstümmelt. Wie im Wahn und getrieben von der Vorstellung, dass Insekten und Kakerlaken über ihren Köper laufen (wie Lucie entwickelt sie Halluzinationen [die Frau]), lässt sie sich nicht davon abhalten das Messer immer wieder und wieder über ihre Haut fahren zu lassen. Anna ist machtlos, bis ein Schuss ertönt und die Frau aus dem Keller zusammensackt.
Fremde Leute strömen in das Haus, wo sich das Blutbad ereignete. Aufgrund des Anrufs, und weil Anna vergessen hatte den Hörer aufzulegen, konnte diese geheime Organisation Anna aufspüren.
Die Spuren der letzten Tag werden beseitigt, alle Leichen vergraben, Anna wird weiterhin festgehalten und trifft nun eine eigenartige Frau, die Anna erklärt worum es sich bei dem Ganzen handelt. Es wird versucht eine Art Transzendenz zu erreichen. Ein Zustand, der ermöglicht von der “anderen Seite” zu berichten, um eine Kernfrage der Welt zu beantworten: “Was passiert nach dem Tod?” Die Organisation sieht die Möglichkeit des Erreichens dieses Zustandes nur bei Märtyrern. Daher kidnappt die Organisation systematisch vor allem blutjunge Frauen und hält sie fest.
Ausgestattet mit den einfachsten Dingen, müssen sie ein Leben fristen was bar jeglicher Menschenwürde ist. Immer wieder werden die jungen Frauen geschlagen, misshandelt und leben in grausamer Isolation. Genau das steht nun Anna bevor. Auch sie durchlebt diese Prozedur. Anfangs bemerkt man ihren Lebenswillen, sie schreit, will nichts essen und wehrt sich gegen die ständigen Misshandlungen. Iwann fängt sie jedoch an mit Lucie in Gedanken zu reden. Lucie fordet Anna auf, aufzugeben. Dann sei es leichter. Sie solle es zulassen.
Und das tut Anna. Immer wieder lässt sie Schläge und Erniedrigungen über sich ergehen. Ihr Blick wird emotionslos. Eines Tages sagt die Frau, die Anna Essen bringt, dass es bald vorbei sei. Nur noch ein Schritt fehle, dann habe sie es geschafft. Dieser wird auch bald vollzogen. Anna wird bei lebendigen Leib die Haut abgezogen und sich selbst überlassen. Dennoch gibt sie nicht auf. Sie lebt weiter und erreicht den gewünschten Zustand. Sie sieht das bekannte Licht und wie es “dort” aussieht. Ihre Augen verändern sich und die Organisation trifft sich im Haus zusammen. Anna berichtet der alten Frau was sie gesehen hat. Diese geht daraufhin ins Badezimmer und schminkt sich ab.
Ein Mitglied der Organisation kündigt zeitgleich dem überwiegend älterern Publikum die Neuigkeiten mit, über die neuen Informationen die Anna geben konnte. Nach der Ankündigung geht er zum Badezimmer und fragt nach wann die Frau gedenke vor dem Publikum zu sprechen. Nach einem kurzen Gespräch hört man einen kurzen Schuss und die Frau hat sich selbst umgebracht. Annas Geheimnis über den anderen Ort nimmt sie mit.
Die letzte Szene gehört der gepeinigten Anna, die immer noch zu leben scheint. Daraufhin erhält man die lateinische Bedeutung von “martyrs” und der Film endet.
Wie gesagt, das Ende hätte man iwie noch befriedigender gestalten können, vllt ist dies aber auch Geschmackssache. Der Film zeigt viele schockierende Bilder, die einem auch nach dem Film nicht in Ruhe lassen. Er zeigt auf einer Seite, die Grausamkeiten zu denen Menschen fähig sind, wie weit Menschen für ihre Ziele gehen, aber auch wie weit der menschliche Wille reicht.
Resümiere ich den Film für mich dann erkenne ich, dass dies ein sehr bewegender Film ist, der auch Freundschaft und Vertrauen beleuchtet, Horrorsequenzen aber nicht außer Acht lässt, wenn ich an die imaginäre Begleiterin von Lucie denke oder an die Nüchternheit mit der die Familie umgebracht wurde. Unmenschlichkeit und Menschlichkeit liegen in diesem Film nah aneinander und machen ihn dadurch vllt so intensiv.

